Ein persönlicher Bericht von Rainer:
Daß ich anders bin, habe ich schon als Kind gemerkt. Aufgewachsen in einem Dorf, das eine große Behinderteneinrichtung hatte, habe ich die behinderten Menschen dort immer mit anderen Augen gesehen, als andere Kinder. Damals war das natürlich noch nicht sexuell geprägt.
Trotz dieser frühen Erkenntnis wagte ich es nicht später als Jugendlicher mir eines der behinderten Mädchen zu nehmen, obwohl ich alles dafür gegeben hätte. Meine Eltern erwarteten, daß ich ein anständiges Mädchen aus dem Dorf heirate. Nach mehreren gescheiterten Freundschaften, die alle daran zerbrachen, daß nach einer gewissen Zeit der Alltag einzog und der starke Reiz des Neuen verflog, meine Neigung in mir hervorbrach. Ich träumte von behinderten Mädchen. Da ich als Folge meine jeweilige Partnerin sexuell vernachlässigte, war die Beziehung immer schnell beendet.
Meine Familie schaffte es aber doch. Ein Outing war nicht drin. Eine Vertrauensperson hatte ich nicht. Meinem besten Freund hatte ich mich anvertraut, aber der sagte nur: "Wenn das wirklich stimmt, bist du für mich eine perverse Sau". Ich hab das dann als Spaß heruntergespielt, aber die Freundschft war damit beendet. Ich heiratete das anständige Mädchen aus dem Dorf.
2 Jahre ging das gut. Dann die alte Leier. Ich konnte, wenn überhaupt, nur noch mit ihr schlafen, wenn ich sie mir einbeinig vorstellte. Dann, wie immer, das Ende. Sie weiß bis heute nicht warum, denn sie hat sich einen Anderen gesucht und mich "betrogen". Für meine Eltern trug sie die Schuld. Ich weiß wie verlogen das jetzt klingt, aber ich hatte Angst.
Nach einiger Zeit wurde mir klar, daß ich nur Glück und Erfüllung finden konnte, wenn ich mir meine Traumfrau suchte ohne Rücksicht auf meine Familie. Im Ort gab es, wie oben erwähnt eine große Reha-Klinik. Fortan ging ich dort spazieren. Eines Tages war es dann soweit. Ich hatte viele gesehen und angesprochen, aber so richtig BUMM machte es nur bei dieser Frau. Honigblond, blaue Augen, meine Ulrike mochte mich auch sofort. Sie hatte Knochenkrebs (Osteogenes Sarkom) und ihr rechtes Bein fehlte. Sie war dort zur Nachsorge und prothetischer Versorgung. Eine große Liebe hatte ihren Anfang genommen.
Bereits nach einem Jahr mußten wir um ihr Leben kämpfen. Der Krebs kam zurück, Lungenmetastasen. Sie bekam Chemotherapie. Ein Teil ihrer Lunge wurde entfernt. Sie wurde entlassen, mit dem Kommentar, ein Jahr noch zu leben.
Wir kämpften einen irren Kampf um ihr Leben und blieben Sieger. Aus dem einen Jahr machte sie insgesamt 16 Jahre, dann hatte der Krebs bzw. die Spätfolgen der Chemotherapie diesen Kampf gewonnen. Vor 6 Jahren starb sie.
Ich habe sehr lange um sie getrauert und bin bis heute allein (was aber einen anderen Grund hat).
Eines weiß ich heute ganz sicher. Entweder bekomme ich wieder eine solche Frau, oder ich bleibe allein. Es haben sich auf meiner Arbeit schon einige Frauen um mich bemüht, die wußten, daß ich allein lebe, aber ich weiß was dann passiert.
Ich kann nur mit einer beinamputierten Frau leben oder mit meinen Träumen allein sein.
Geoutet bin ich nun schon ewig. Das mußte ich schon bei meiner Frau tun. Seidem rede ich mit jedem Menschen darüber und es ist mir ziemlich egal, was Andere darüber denken. Es gibt auch Freunde die zu dieser Neigung stehen und mich unterstützen. Besonders die, die das schwere von Krankheit geprägte Leben mit meiner Frau begleitet haben. Sie alle wissen wozu dieser "Devotee" fähig war und mit welcher Liebe er seine Frau in den Tod begleitet hat.
Ich lache nur über die Menschen, die mich nun als Perversen darstellen wollen. Diese Leute sind für mich die armen Schweine, weil sie nicht über ihren kleinen Horizont blicken können.
Heute habe ich den Tod meiner Frau verarbeitet und habe auch eine amputierte Freundin. Sie ist aber wirklich nur Freundin, weil sie auch eine schwere Beziehung hinter sich hat und zur Zeit keine Partnerschaft will.
Wir treffen uns, gehen ins Kino, oder zum Essen, aber mehr nicht. Sie sagt immer: "Was kommt, das kommt".
Liebe Freunde, das war´s für heute.
Bis bald, Euer Rainer rainer-marx@t-online.de