Evelyn:
Angelique: Evelyn, du bist eine der wenigen weiblichen Devotees. Wieso, glaubst du, gibt es soviel mehr männliche als weibliche Devotees?
Evelyn: Ich denke, wohl weil es sich bei vielen Frauen eher in einer Art Krankenschwesternsyndrom äußert, dadurch fallen sie nicht so auf und werden nicht gezählt und erfaßt. Es gibt sie sehr wohl, aber ich glaube, vielen ist das selbst auch nicht so bewußt.
A: Wodurch unterscheidet sich die Situation von weiblichen und männlichen Devotees?
E: Das ist leicht zu sagen, erst einmal durch die Anzahl. Es gibt mehr amputierte jüngere Männer als Frauen und weniger weibliche Devotees als männliche. Die durchschnittliche Devotine hat also gute Chancen, den einbeinigen (oder sonstwie amputierten) Mann zu finden, sei es für eine Beziehung oder für ein Abenteuer. Außerdem sind die amputierten Männer viel offener und die ganze Situation ist überhaupt nicht so verkrampft wie umgekehrt, die haben viel Spaß daran, wenn eine Frau den Stumpf schön findet und damit spielen will. So hab zumindest ich das erlebt.
A: Was gefällt dir so an amputierten Männern?
E: Es ist nicht so sehr sexuelle Anziehung, schon auch, aber nicht nur. Ich mag es, wie er sich bewegt, das leichte Hinken, wenn er neben mir geht, mit Prothese. Der schöne Stumpf, der asymmetrische Körper, ich kann das irgendwie nicht beschreiben
A: Und auf Krücken?
E: Gehen mit Krücken finde ich nicht so schön, aber der Stumpf im hochgeschlagenen Hosenbein, das mag ich schon.
A: Was genau gefällt dir daran, ist das der Stumpf oder der Gang oder?
E: Natürlich ist der Stumpf schön, greift sich auch gut an, aber mich fasziniert auch, wie er sich bewegt, das leichte Hinken mit Prothese, wie er einbeinig hüpft oder wenn er beidseitig amputiert ist, wenn er sich aus dem Rollstuhl auf ein Sofa oder so bewegt, das ist so unglaublich elegant und schön...
A: Welche Amputation gefällt dir?
E: Oberschenkelamputation, möglichst hoch, oder in der Hüfte. Auch beidseitig. Aber es ist nicht nur die körperliche Erscheinung, mich fasziniert es auch, wie er damit umgeht. Ein Bein oder beide zu verlieren, ist eine der schlimmsten Situationen im Leben und da zeigt es sich, wie stark ein Mann wirklich ist. Manchmal haben diese Männer so eine unzerstörbare Kraft und Fröhlichkeit. Das ist schon sehr besonders und das finde ich sehr anziehend. Und Stil soll er halt auch haben, sich einen chicen Rollstuhl aussuchen oder schöne Krücken - da hab ich welche gesehen, die sind mit dunkelrotem Samt, das finde ich sehr sexy.
A: ein Designerrollstuhl soll es also sein???
E: Ja, so irgend etwas, das ist mir schon wichtig, so ein Krankenkassenmodell, das ist echt ein Liebestöter.
A: Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, daß amputierte Männer dich faszinieren?
E: Mit 12 oder so, da hab ich so einen Film gesehen, das spielt 17oo irgendwas, eine Frau, die ihren Mann lange nicht gesehen hat, voll Liebe und Sehnsucht schmachtend, er ist ein wilder Abenteurer, sie trifft ihn wieder und er hinkt mit steifem Bein die Stiege hinunter. Dann kann ich mich noch an einen Zeitungsverkäufer erinnern, bei meinen Großeltern, der hatte einen Beinstumpf immer auf eine Krücke aufgestützt. Das hat mich unglaublich fasziniert. Ich kann mich erinnern, ich hab mir damals überlegt, wie es passieren kann, daß man ein Bein verliert und hab mir vorgesellt, daß das Bein eingeklemmt wird, wenn man die Autotüre zumacht. Da muß ich noch sehr klein gewesen sein, halt so eine Ahnung, daß es mit Autos zu tun haben kann, aber noch keine Vorstellung, was ein Autounfall wirklich ist.
A: Wie alt warst du da?
E: Vielleicht 5?
A: Hast du schon amputierte Männer kennengelernt?
E: Ja, einige per E-mail und Telefon. Zwei hab ich auch persönlich getroffen. Ein Mann, der ein Bein durch Krebs verloren hat, seine Freundin findet es ziemlich abstoßend. Den Stumpf und das Bein, das neben dem Bett liegt und all das. Früher hat er viel geflirtet, und glaubte das sei jetzt zu Ende. In unseren Mails und Telefonaten heben wir viel Spaß gehabt und er hat auch wieder mehr Selbstvertrauen gefunden. Allerdings war dann die Freundin wieder wichtiger und so ist nicht mehr daraus geworden. Einer, der wohnte ziemlich weit weg, wir haben fast ein Jahr lang ein paar Mal telefoniert. Dann haben wir uns so in der Mitte in einem Hotel getroffen. Wir haben uns einen ganzen Abend über Devotees Stümpfe, Krücken, Kniegelenke, und so Zeug unterhalten, er hatte einen sehr schönen Stumpf, überhaupt einen sehr schönen Körper. Er hat es schon sehr gemocht, wie ich seinen Stumpf geküßt und gestreichelt habe. Ich hab leider nie wieder was von ihm gehört, er war wohl zu sehr verheiratet. Einen erfolgreichen Wannabe hab ich auch einmal kennengelernt. Der hat sich den Fuß selbst abgeschnitten, wirklich, und dann ist er jede Woche zu drei Chirurgen gegangen und hat gejammert, das Knie tut so weh - und dann hat er es geschafft, es ist amputiert worden. So viel Zielstrebigkeit hat mich schon beeindruckt. Aber der war sonst auch so verrückt, das war mir dann auch zu viel.
A:Wünscht du dir eine längere Beziehung oder Ehe mit einem amputierten Mann oder genügen dir ein paar Affairen?
E: Ein paar Affairen sind ganz nett, auch um diese ganzen Devoteegefühle und Sehnsüchte auf eine realere Ebene zu bringen, sich nicht in Träumen zu verlieren. Aber ich wünsch mir schon eine Beziehung mit einem beinamputierten Mann. Aber da es noch andere Kriterien..
A: Was zum Beispiel?
E: Interesse an Kunst soll er haben, ein bißchen sportlich sein, gerne in der Natur sein, Stil und Persönlichkeit haben, ...
A: Vielen Dank für dieses Interview!

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